Kleine Denkweisen

Auf Facebook erfreuen sich meine vielfach zum nachdenken anregenden Kurzgeschichten großer Beliebtheit. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr kamen 3 kleine sogenannte „Denkweisen“ aus meiner Feder in Umlauf. Ich möchte sie euch nicht vorenthalten und teile hier alle zusammen in einem Artikel. Viel Vergnügen beim lesen und überdenken.

Happy New Year , eure Elisabeth

 

535323_924064497669443_7400247219399061304_n

 

Weihnachtszeit

Heute lag etwas in der Luft, irgendein Geheimnis. Die Mutter hatte sich schon früh in die Küche begeben und der Vater war in den Wald gefahren. Der kleine Mann, wie er von allen genannt wurde, saß in seinem Hochstuhl und blickte hinaus. Dort liefen viele Menschen hektisch durch die Straße. Sie sahen alle so aus als ob sie etwas vergessen hätten. Eine Frau schleppte schwere Einkaufstaschen und es wurden Bäume in die Häuser getragen. Auch in sein Haus kam ein Baum als der Vater aus dem Wald wiederkehrte. Er brachte einen großen Tannenbaum mit. „ich habe den schönsten geschlagen den ich in meinem Wald finden konnte.“ Die Mutter nickte und deutete auf ihre Kochtöpfe. „Ich hab die schönste Gans geschlachtet die auf der Weide war.“ Der kleine Mann schaute seine Eltern nachdenklich an. Die Mutter schlachtete Gänse und der Vater schlug Bäume. Was für ein seltsamer Tag. „Morgen bekommen wir Besuch von Onkels und Tanten und sonstigen Verwandten“ sagte die Mutter zum Vater. Er nickte und antwortete: “ Ich werde aus dem Keller die besten Weine holen und du kannst die guten Gläser aus der Vitrine nehmen.“ Mutter nickte und schaute kurz zum kleinen Mann:“ Sei schön brav, dann bringt das Christkind dir heute Abend schöne Geschenke.“ Dieser grinste breit, etwas was er sehr gut konnte und sagte nichts dazu, denn sprechen konnte der kleine Mann noch nicht. Er schaute zu seinem Vater der den Baum in das Wohnzimmer brachte und sah wie dieser ihn auf ein Tischchen stellte. „Mutter du musst ihn noch schmücken!“ rief er zur Küche hinüber. Die Mutter rief zurück: “ Du kannst es doch auch machen, ich muss noch den Kuchen backen.“ Vater ging auf den Speicher und kam mit allerlei Kartons wieder. Dann holte er den kleinen Mann in seinem Hochstuhl zu sich. Die Mutter fragte ob denn draußen alles in Ordnung gebracht sei. Vater sagte: „Alles gut, Straße gefegt, Gärtchen geharkt, Laub beseitigt, ich glaube es ist alles fertig. Und bei dir?“ „Auch bei mir ist das Haus geputzt, die Scheiben poliert, die Kacheln abgewaschen usw..ich hoffe ich hab an alles gedacht.“ Der Vater murmelte „Irgendetwas vergisst man jedes Jahr.“ Der kleine Mann hatte aufmerksam zugesehen und zugehört. Draußen liefen immer noch Menschen wie kleine Aufziehpuppen über die Straße und schleppten ihre Sachen hin und her. Sogar der Rasen wurde noch gemäht. Sauber und hell erstrahlte gegen Nachmittag die Straße, der Duft von Kuchen und Braten zog hindurch und überall leuchteten geschmückte Bäume aus den Fenstern. Der kleine Mann saß mittlerweile am Schlafzimmerfenster in seinem Hochstuhl und schaute hinab auf die Straße. Wortfetzen drangen zu ihm hoch : “ Ich könnte schwören was vergessen zu haben“ rief die Nachbarin seiner Mutter über die Straße zu. Diese rief zurück: “ Was gibt es denn morgen Gutes bei euch? Wir haben heute Gans und morgen gibt es Sauerbraten.“ Die Nachbarin rief zurück: „Wir haben heute auch Gans und morgen ebenfalls Sauerbraten. Wir haben den besten Rossschlächter dafür gefunden. Ihr habt doch sicher auch Pferd oder?“ Mutter nickte nur und rief zurück :“ Übermorgen werden wir zu Verwandten fahren und uns verwöhnen lassen.“ Die Nachbarin rief zurück: „Wir fahren übermorgen in Winterurlaub. Drei Wochen Südtirol. Ein Geschenk von meinem Mann. Ich hoffe mal das Christkind bringt uns dazu passend noch neue Bekleidung, Koffer und Zubehör. Und bei ihnen?Auch ein wenig Urlaub geplant? ‚ „Aber natürlich, aber erst im Sommer. “ Vater war ebenfalls ins Schlafzimmer gekommen und stand nun mit dem kleinen Mann zusammen am Fenster. Während sie zuhörten was die Frauen sich erzählten sagte er: “ Jedes Jahr die gleiche Angeberei. Pferde Sauerbraten , Winterurlaub und und und.Weißt du mein Junge das ist eigentlich unwichtig , jedoch in dieser Zeit des Jahres alles was zählt. Mehr haben, mehr können, mehr bekommen und mehr sein wollen.“ Der kleine Mann hörte gut zu und grinste wie immer. In der Zwischenzeit war auch eine weitere Nachbarin hinzugekommen und sagte: “ Ich bin ja so gespannt was unsere Tochter zu ihrem Geschenk sagen wird, sie wird ja jetzt 18 und wir haben ihr einen Gutschein für den Führerschein eingepackt und haltet euch fest, mein Mann schenkt ihr dann wenn sie ihn bestanden hat seinen Mercedes. Der ist ja nun schon wieder drei Jahre alt. Wir kaufen uns dann einen neuen. Aber vorher fliegen wir auf die Malediven. Ich bin ja so aufgeregt, bestimmt haben wir wieder irgendetwas vergessen. “
So ging es noch eine Weile hin u her und dann rief seine Mama „Muss rein zur Gans!“ Startsignal für die beiden anderen, denn auch sie hatten wohl noch etwas in der Küche zu tun.
Stunden später saß man bei Tisch und der kleine Mann bekam Maronenpüree zu essen. Vater bekam das größte Stückchen von der Gans und allen schmeckte es. Nach dem essen ging der Vater ins Wohnzimmer und kam aber schnell wieder heraus. Geheimnisvoll sagte er: “ Ich glaube das Christkind ist unterwegs , da will ich mal nicht stören.“ Mutter lächelte zum kleinen Mann hin. Dieser grinste sie an.
Kurz darauf war Mutter ins Wohnzimmer gegangen und läutete nun mit einem Glöckchen. Vater nahm den kleinen Mann auf den Arm und sie gingen ins Wohnzimmer. Dort erstrahlte der Weihnachtsbaum und unter diesem waren viele Päckchen. Auf diesen standen Namen und es war für jeden etwas dabei. Der kleine Mann bekam eine Kugelbahn und er hatte viel Spaß damit, obwohl er schon fast ins Bett musste, denn morgen würde wieder ein langer Tag werden.
Vater sagte nochmal zur Mutter :“Haben wir an alles gedacht?“
Am letzten Weihnachtstag waren sie bei Verwandten und auch diese redeten immer wieder davon das sie das Gefühl hatten irgendwas vergessen zu haben, doch keiner wusste was es sein könnte. Dabei fehlte es an nichts, es war alles da was man sich zu einem Fest nur wünschen konnte. Abends fuhren sie nach Hause und Vater sagte zu Mutter: „So geschafft , wohl doch nichts vergessen.“ Der kleine Mann schaute seine Eltern nachdenklich an und sagte dann das erste Mal in seinem Leben einen Satz: “ Es fehlte die Zeit!“
Vater u Mutter schauten auf ihren Jungen und dann sich an. Er spricht und was sagt er da? Zeit? Hatten sie wirklich keine Zeit gehabt? Aber es war doch alles gut und nach Plan gelaufen. Minutiös konnte man fast sagen, so war es doch bisher jedes Jahr gewesen. Sollten sie etwa alles zu verbissen sehen und statt der vielen Vorbereitungen einfach mal mehr Zeit zusammen einplanen? Zeit bekam man nicht geschenkt! Die musste man sich nehmen, bevor sie vorbei ist.

(c) Elisabeth van Langen

 

Sehr geehrter Mensch,

bald nun ist das Jahr zu Ende und ich als dein bester Freund habe mir Gedanken gemacht. Ich weiß du willst mir jedes Jahr eine Freude bereiten und meinen Kumpels auch, indem du um Schlag Mitternacht ein paar Böller zündest und Raketen in die Luft schickst. Ich finde das sehr aufmerksam von dir und es stört mich auch überhaupt nicht. Warum es Artgenossen gibt die darunter so leiden kann ich nicht nachvollziehen, mir gefällt ja dieses Schauspiel. Aber als dein feinfühliger Begleiter kann ich dir verraten, es gibt auch viele deiner Artgenossen die wegen dem Silvester Feuerwerk leiden. Es sind kleine Kinder, demente Menschen, Kriegsflüchtlinge, psychisch Kranke usw…Darum will ich dich bitten „Mach doch mal einfach nicht mit, du schonst die Ohren meiner Artgenossen und zeigst Respekt gegenüber deinen Artgenossen.“ Glaube mir, auch ohne deine Böller kommt das neue Jahr und es gibt noch genügend deiner Artgenossen die für das nötige Spektakel sorgen.

Dein Vierbeiner

 

Happy New Year

Es knallte und zischte um ihn herum und irgendwie war es fast so wie vor einigen Monaten als er noch im Haus seiner Eltern gelebt hatte. Feuerschein, Donnerknall und zwischendurch ertönten Schüsse. Hier und da hörte man Sirenen und sah Blaulicht. Ringsum hörte er Menschen die irgendetwas riefen. Hunde bellten laut, Babys weinten und alte Menschen zitterten. Immer wieder gab es ganze Salven von lautem Geböller. Vögel schreckten auf aus ihrem nächtlichen Traum und kreischend liefen ein paar Katzen die Straßen entlang. Eine alte Frau rief: „Wir sind umzingelt!“ und ließ sich einfach nicht mehr beruhigen. Gläser klirrten und eine Art flammendes Inferno war am Firmament zu sehen.

Der kleine Junge schaute seine Eltern fragend und ängstlich zugleich an.

Um Punkt Mitternacht wurde alles nur noch schlimmer. Man dachte der Himmel würde brennen, wie dichter Nebel hingen Rauchschwaden überall und ohrenbetäubender Lärm erfüllte die Luft. Schwarzpulvergeruch durchzog die Straßen. Alle Glocken läuteten laut, so als ob sie die Menschen warnen wollten.

„Vater sind wir wieder im Krieg?“
Der Vater nahm ihn in den Arm und sagte: “ Nein, hier nennen sie es Silvester und begrüßen damit das neue Jahr.“ Der Junge überlegte eine Weile und fragte dann: “ Warum schießt man auf etwas was man lieb hat?“ Verwundert sah der Vater ihn an und fragte zurück „Wie meinst du das mit dem lieb haben?“ „Naja ich dachte wir lieben den Himmel, die Sonne, den Mond und die Sterne, sie sind unsere Begleiter durch das Leben. Doch hier wird auf sie mit Raketen geschossen und die Luft verpestet.“
Vater wusste keine Antwort darauf und als rundum die Menschen „Happy New Year“ riefen stimmte er einfach mit ein und wurde so ein Teil dieser Gesellschaft die zwar über ihre Umwelt meckerten aber nichts dafür taten um sie wirklich zu verbessern.

(c) Elisabeth van Langen

 

Vielleicht denkt ihr jetzt, die Frau hat wohl etwas gegen Feuerwerk. Nein hat sie nicht, jedoch findet sie es übertrieben und unverantwortlich. Ozon, Menschen, Tiere…..alles leidtragende des „zuviel des Guten“. Ein kontrolliertes Feuerwerk wäre mir persönlich lieber, Zentralfeuerwerk für jeden Ort und durch Spenden der Einwohner des Ortes zusammengesetzt. Bei reichlich Spenden kann man auch besonders schöne Raketen zünden. Aber wie gesagt, subjektive Meinung ohne Anspruchsdenken. Trotzdem könnte man vielleicht einfach mal sagen „weniger ist oft mehr“!

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s