Rosenbund – Teil 2 der „Mord mit Aussicht Fan Fiktion „Man, man,man……“

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Ihr kennt Hengasch, den kleinen fiktiven Ort in der Eifel? Dort wo sich Fuchs & Hase “Gute Nacht” sagen und wo bis Sophie Haas als Komissarin dort eintraf fast nichts passierte? Beschaulich war das Leben der Dorfpolizisten Dietmar Schäffer und Bärbel Schmied. Die ARD Serie gehört zu den beliebtesten Serien überhaupt und da bleiben Fans nicht aus. Manche Fans fantasieren die Abenteuer ihrer Helden weiter, gestalten sich eigene Bilderalben, schreiben Geschichten….Geschichten schreiben kann ich auch und ein Fan der Serie bin ich sowieso. Nun fragte man mich: “Kannst du nicht ein paar FAN FIKTION Geschichten zu “Mord mit Aussicht” schreiben? Ja klar! Also meine lieben Freunde und Fans und vor allem liebe HENGASCH Fans, hier nun die 2. Geschichte aus meiner Feder zu “Mord mit Aussicht”. (Was ist Fanfiktion? Eine Fangeschichte über Charaktere, dessen Copyright nicht beim Autor der Arbeit selbst liegt. Eine bereits existierende Geschichte wird von einem Fan derselben weitererzählt, ausgeschmückt, umgeschrieben oder neu erfunden, mit Behalt der Original Charaktere.Ursprungsautorin der Serie ist die Autorin Marie Reiners.)

Lesen Sie nun die Nachfolgegeschichte zu Man, man, man – Mann, Mann, Mann oder Lieber nich? (JUST FOR FUN)

Rosenbund (eine Fanfiktion Story von Elisabeth van Langen)

„Da unten liegt ein Toter, Frau Haas!“ sagte Bärbel Schmied mit einem ungläubigen Ton in ihrer Stimme. „Ja Bärbel, sowas solls geben“ antwortete die Kommissarin Sophie Haas. Sie war eigentlich auf dem Weg nach Köln gewesen, doch Schäffers Anruf hatte sie zurück nach Hengasch geholt. Auf dem alten Hof, wo sie erst kürzlich die Feuerwerkskörper beschlagnahmt hatten, hatten Beamte der Spurensicherung eine stark verweste Leiche gefunden, genauer gesagt, war es nur noch ein Skelett. Sophie Haas betrachtete den Fund menschlicher Überreste genau und stellte fest, sie trug ein Schmuckstück um den Arm. Ein Armband, welches man nicht so oft zu sehen bekam. Genaugenommen hatte Frau Haas etwas artgleiches bislang nirgends gesehen. Dietmar Schäffer schaute ebenfalls auf das Armband ehe er sagte: „Chef, ich glaub so ein Armband hat Muschi auch.“ Muschi oder besser, Dietmars Frau Heike schien heute nicht zu Hause zu sein, dann, so schlußfolgerte Frau Haas, wäre diese bestimmt längst hier aufgetaucht. „So so, wieso wundert mich das gerade nicht?“
„Das weiß ich nicht Chefin. Jedenfalls bin ich sicher das Heike so ein Armband hat.“ Dietmar nickte dazu mit dem Kopf um seine Aussage zu bekräftigen. „Woher hat sie es denn?“ Frau Haas schaute Dietmar neugierig an. „Frag ich sofort, Chefin.“ Er wählte auf dem Handy Heikes Nummer. „Bär! Ist was passiert?“ „Nein Muschi. Das heißt doch,  also nicht direkt.“ „Schäffer kommen sie auf den Punkt!“ kürzte Frau Haas Dietmars Rumgedruckse ab. „Äh ja also Heike du hast doch dieses Armband mit den Herzchen und Rosen. Wo hast du das nochmal gekauft?“ „Das hab ich doch damals auf unserer Reise zum zehnten Hochzeitstag von dir bekommen. Weißt du doch, gab Sauerbraten an dem Tag. Der war mit Öcher Printen verfeinert. Da hab ich mir das Rezept geben lassen und die Kellnerin hatte so ein Armband. Ich hab dann gesagt, ich finde es schön und sie sagte, man könnte die im Nachbarort kaufen. Wir sind dann noch dahin und haben dort mein Armband gekauft. Nicht zu vergessen, die tolle Obstschale, die wo jetzt immer die Walnüsse von Tante Entes Nussbaum drin liegen.“ sprudelte Heike in einem Atemzug hervor. Sophie Haas rollte genervt mit den Augen. „Schäffer, nicht ihre Lebensgeschichte und kulinarische Vorlieben. Der Name der Schmuckverkäuferin, Adresse usw. wären interessanter.“ Heike Schäffer, die dieses am anderen Ende gehört hatte murmelte in den Hörer: „War ja klar, dass die Haas wieder was zu meckern hat. Also Bärchen, ich weiß nur noch, dass sie in Engeldorf lebte. Ist ja auch schon eine Weile her. Aber wieso willst du das wissen?“ „Ermittlungen Muschi“ war Dietmars knappe Antwort. Bevor Heike noch weiter reden konnte, hatte Dietmar das Gespräch beendet.
„Also Schäffer, wie heißt die Verkäuferin. Wenn sie selber dabei waren, dann sollten sie mal scharf nachdenken.“ „Nee, also scharf war der Sauerbraten nicht, mehr so süßlich wegen der Printen.“ „Schäffer!!!“ Frau Haas wurde langsam etwas ungehalten und auch Bärbel Schmied schüttelte den Kopf. „Dietmar du sollst dich an den Namen von der Schmuckverkäuferin erinnern.“ sagte sie betont vorwurfsvoll zu ihrem Kollegen Schäffer. Dieser hatte seine Dienstmütze abgezogen und kratzte sich am Hinterkopf. „Wo ist denn dieses Engeldorf Schäffer?“ „Im Bergischen Land bei Kürten Frau Haas.“ „Kürten, was sie nicht sagen. Also bei Köln. Da könnte ich ja eine Dienstreise machen und …..“ Weiter redete sie nicht, statt dessen grinste sie vor sich hin. Bärbel warf ein: „Frau Haas, sollten wir nicht das Armband von Heike zum Vergleich holen?“ Sophie nickte und sagte: „Schäffer sie fahren zu ihrer Muschi und holen das Armband. Bärbel machen sie ein paar Fotos von diesem Armband hier und wir sehen uns dann nachher auf der Wache.“ 
Kurze Zeit später fuhr Sophie auf die Wache und schaute in ihren PC. „Bingo! “ rief sie hocherfreut aus. Dank der Suchmaschine hatte sie eine Frau aus Engeldorf gefunden, die tatsächlich individuelle Schmuckstücke gestaltete und auch Obstschalen herstellte. Sie schien da besonders kreativ zu sein und Sophie verliebte sich sofort in eine Halskette mit Dom Motiv. Als waschechte Kölnerin war der Dom natürlich Statussymbol für ihre Heimat. Sie freute sich schon jetzt auf die weiteren Ermittlungen. 
Bärbel hatte wie angeordnet einige Fotos des Armbandes gemacht und fuhr nun ebenfalls zur Wache. Unterwegs traf sie einen schlecht gelaunten Dietmar. Dieser erzählte ihr, Heike habe ihn gelöchert und unbedingt nähere Einzelheiten über den Fall wissen wollen. Bärbel lachte, denn nur zu gut kannte sie die Neugier von Dietmars Frau.
Als sie auf der Wache ankamen zeigte Dietmar Frau Haas das Armband und diese nickte als sie sagte: „Genau das ist das Design. Hieß die Frau Elke Kämpfe-Manegold?“ Dietmar klatschte seine Hand an die Stirn und antwortete: „Ja klar! Ich musste damals doch noch so grinsen, Elke – Heike und beide blond.“ Befriedigt schaute Sophie auf den Bildschirm und dann kam das was Dietmar und Bärbel bereits erwarteten. „Da fahr ich denn mal hin. Wichtige Ermittlung, so mit Foto vom Armband. Vielleicht erinnert sie sich ja noch wer das Teil seinerzeit erworben hat. Dietmar sie leiten hier solange die weiteren Ermittlungen und Frau Schmied, sie begleiten mich.“ Bärbel strahlte wie ein Honigkuchenpferd und Dietmar blickte etwas mürrisch drein. „Ist auch wichtig!“ meinte Bärbel mitfühlend zu ihrem Kollegen.
Am nächsten Morgen fuhren Bärbel und Frau Haas Richtung Köln. Sophie war allerbester Laune als sie aus der Ferne die Spitzen des Kölner Doms erkannte. Für jeden waschechten Kölner das Zeichen von Heimat. Wenig später parkten sie in einer Tiefgarage am Rudolfplatz und Frau Haas zeigte Bärbel erst einmal ihrer Meinung nach die beste Eisdiele  von Köln. Bärbel kam selten aus Hengasch heraus und sog das Flair der Großstadt in sich auf. Sogar eine Runde Shopping hatte ihre Chefin eingeplant. Es war schon Nachmittag ehe sie in Engeldorf ankamen. Dort wurden sie freundlich empfangen, denn die Polizei aus Bergisch Gladbach hatte auf Frau Haas Amtshilfeersuchen bereits ihr Kommen angekündigt. Frau Kämpfe-Manegold hatte ein wenig Ähnlichkeit mit Frau Schäffer bemerkte Bärbel leise zu Sophie. Diese stellte sich und Frau Schmied erst einmal vor und kam dann auch direkt zum Grund ihres Besuches. „Frau Kämpfe-Manegold, erkennen sie dieses Armband?“ Sophie hielt ihr die von Bärbel aufgenommen Fotos vor. Die Schmuckkünstlerin, denn so konnte man sie durchaus nennen, sah kurz auf die Bilder und nickte zustimmend. „Und wissen sie noch, wer dieses Armband gekauft hat?“ „Ein Mann, Mitte vierzig mit rotblondem Haar und einem Oberlippenbärtchen.“ Sophie und Bärbel schauten sie irritiert an. Wie konnte die Frau nach so vielen Jahren sich noch an das Aussehen des Käufers erinnern? Der Tote lag ja nicht erst seit gestern da. „Aber den Namen des Mannes haben sie nicht zufällig zur Hand?“ fragte Frau Haas nun hoffnungsvoll. „Nein, es ist auf Basaren nicht üblich die Kunden nach ihrem Namen zu fragen.“ „Ihre Stücke sind alles Unikate auch wenn sie sich ähneln. Richtig?“ „Richtig!“ „Dieses Armband wurde von ihnen vor ca. 10-12 Jahren gefertigt nehme ich an. Wie kommt es, dass sie sich da noch an den Käufer erinnern?“ Frau Kämpfe-Manegold schaute leicht verwirrt von Frau Haas zu Frau Schmied und wieder zurück. Dann fragte sie: „Wie kommen Sie darauf, dass dieses Armband zehn Jahre alt ist? Es stammt aus meiner Kollektion von 2012 und wurde erst kürzlich verkauft.“ Hätte Frau Haas nicht gesessen, wäre sie nun wahrscheinlich in den Sessel, auf dem sie saß geplumpst. „Sind sie da ganz sicher? Sie haben doch solche ähnlichen Armbänder auch schon vor zehn Jahren gefertigt, Kleeblätter und Herzen, sie erinnern sich doch?“ Elke Kämpfe-Manegold  nickte: „Ja stimmt, nur damals waren die Farben andersherum. Übrigens kaufte der Kunde auf dem Basar gleich fünf dieser Armbänder und alle sind verschieden angeordnet.“ Während sich Bärbel und Frau Haas noch von ihrer Überraschung erholten klingelte Sophies Handy. „Haas!“ „Chefin, Schäffer hier. Halten sie sich fest. Es gibt eine Leiche in Dümpelbach und die trägt ein Armband wie das, was der Tote an hatte.“ „Nein!“ „Doch Frau Haas können sie Heike fragen, also die war zufällig dabei als ich die Tote angeschaut habe. Ist nämlich die Rosa vom Landfrauenbund. Haben wir ja erst vor drei Wochen beerdigt. Kein schöner Anblick Frau Haas.“ „Nun mal langsam Schäffer. Sie wollen mir sagen, dass diese bereits beerdigte Rosa, jetzt ein Armband trägt und wieder an der Oberfläche ist?“ „Genau, also eigentlich liegt sie auf dem Misthaufen an der alten Schmiede. Na ja und das ist ja nicht normal.“ „Weiß Gott nicht! Foto vom Armband auf mein Handy, Schäffer.“
Kurz darauf bestätigte Frau Kämpfe -Manegold, dass es eines der fünf Armbänder sei, die sie auf dem Basar verkauft hatte.
Nachdem Sophie sich mit allerlei kleinen Kunstwerken aus Frau Kämpfe-Manegolds Atelier eingedeckt hatte und auch Bärbel einiges eingekauft hatte, weil man die Teile so schön verschenken kann, raste Sophie mit überhöhter Geschwindigkeit zurück in das kleine Eifeldorf, wo es seitdem Sophie dorthin versetzt worden war, deutlich krimineller zuging als vor ihrem Dienstantritt.
Hans Zilonka hatte wieder einmal die Blitzanlage aus der Wache ausgeliehen und staunte nicht schlecht über den heißen Reifen mit dem Sophie Haas vorbeibrauste. „Hat es gerade geblitzt, Bärbel?“ Bärbel Schmied schaute schuldbewusst ihre Chefin an und dann antwortete sie vorsichtig: „Ja, Frau Haas. Machen sie sich mal keine Sorgen der Chef, also der Herr Zilonka wird schon nichts gegen sie unternehmen.“ „Bitte? Ich hör wohl nicht richtig. Was soll der auch unternehmen. Der kann froh sein wenn ich keine Strafanzeige gegen ihn erstatte. Immerhin nutzt er illegal Polizeimaterial.“ Bärbel nickte und antwortete: „Naja er kann es halt nicht lassen. Recht und Ordnung sind ihm eben haften geblieben. Seine Pensionierung war ihm nicht besonders genehm.“ Sophie lachte laut als sie wiederholte: „Recht und Ordnung gelten aber auch für Herrn Zilonka.“ Dann machte sie eine Vollbremsung vor der Hengascher Wache. Dort stand Heike vor der Wache. „Trainieren sie für das nächste Rennen auf dem Nürburgring, Frau Haas?“ fragte sie mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht. „Nein Frau Schäffer, ich wollte nur meine Bremsen testen.“ Heike sagte nichts weiter dazu. Statt dessen erwiderte sie: „Stellen sie sich vor, da liegt die Rosa in Dümpelbach auf dem Misthaufen. Wer macht denn so etwas nur und warum haben die Toten hier plötzlich Armbänder an?“ „Wie Frau Schäffer, das haben sie noch nicht herausgefunden?“ Heike schaute nur ein wenig grimmig. Währenddessen kam Dietmar aus der Wache. „Tach Chefin, Mann, Mann, Mann, hier ist vielleicht wieder was los.“ „Schäffer schon neue Erkenntnisse?“ „Nur, dass das Grab von Rosa geleert wurde. Also dass sie nicht mehr drin liegt.“ „Irgendwie logisch Schäffer. Wie soll sie auch wenn sie in Dümpelbach rumdümpelt.“ „Haben sie auch wieder Recht, Frau Haas. Wie war es denn in Engeldorf?“ „Also die Frau Kämpfe-Manegold hat sich an den Käufer erinnert. Ist noch nicht so lange her und er kaufte 5 Armbänder. Das bedeutet vielleicht tauchen noch 3 auf!“ Heike hatte aufmerksam zugehört und schwang sich nun mit Elan auf ihr Fahrrad. „Ich fahr dann mal nach Hause. Gibt heute Klöße mit Rotkohl und Schweinelendchen. Dietmar, sei bitte pünktlich.“ rief sie schon im wegradeln und schaute dabei vorwurfsvoll auf Frau Haas. Diese rief ihr nach „Grüßen sie die Landfrauen Frau Schäffer und besorgen sich mal eine Mikrowelle.“ Bärbel Schmied grinste leicht. Diese Querelen zwischen Heike und Frau Haas waren nicht neu und manchmal bedauerte sie ihren Kollegen Dietmar. „So und nun an die Arbeit.“ Sophie ging in die Wache, gefolgt von Dietmar und Bärbel. „Also wir wissen, dass der Käufer fünf Armbänder kaufte. Zwei sind schon aufgetaucht. Er ist männlich und hat rotblonde Haare und Oberlippenbart. Gibt es hier im Kreis Liebernich jemanden, auf den die Beschreibung passt?“ Dietmar antwortete: „Da müsste ich Heike mal fragen!“ Frau Haas Augen funkelten böse als sie ihn anherrschte: „Schäffer! Wollen sie nicht lieber einen auf Hausmann machen und schicken ihre Frau zum Dienst, wenn die eh immer alles weiß?“ Dietmar schaute leicht verlegen und sagte: „Heike kommt nun mal viel rum und hört halt einiges. Ist doch auch gut für uns, Frau Haas.“ Diese seufzte und reichte ihm das Telefon. „Also gut, rufen sie sie an und fragen nach.“ Lächelnd nahm Dietmar den Hörer ab und wählte seine Privatnummer. „Besetzt!“ Nach einer halben Stunde und weiteren drei Anrufversuchen sagte Sophie: „Der Landfrauenbund von Hengasch dürfte ja mittlerweile im Bilde sein. Mit wem telefoniert sie denn jetzt noch?“ „Vielleicht mit meiner Mutter.“ war Dietmars Antwort. „Kommen sie Schäffer, wir fahren zum Tatort und auf dem Weg dorthin springen sie kurz bei ihrer Muschi rein und geben ihr die mutmaßliche Täter Beschreibung.“ „Und was mache ich, Frau Haas?“ wollte Bärbel nun wissen. „Sie, Frau Schmied, sichten den Fahndungscomputer und die Verbrecher-Kartei nach dem Täter.“ Diesmal war es Dietmar der seine Kollegin mit einem „Is auch wichtig!“ verließ.
Schäffer war kurz danach bei sich zu Hause angekommen und Heike war immer noch mit Telefonieren beschäftigt. Als sie ihn sah fragte sie aufgeregt: „Bär! Du kommst doch nicht schon zum Essen?“ Dietmar erklärte seiner Frau nun um was es ging. Diese hatte den Hörer aufgelegt und meinte spitz: „Ach guck, die Haas. Da bin ich wohl plötzlich wieder gut genug.“ „Ach Muschi, die Chefin meint es doch nicht so.“ Heike überlegte. „Rot-blond sagtest du?“ Dietmar der sich schnell ein Wiener Würstchen aus dem Kühlschrank gegriffen hatte nuschelte etwas was klang wie ein „Ja, rot-blond.“ „Der Schulte Dietmar, der Schulte ist rot-blond.“ „Der Schulte ist unser Bürgermeister Muschi und er hat auch keinen Oberlippenbart.“ „Der Zwanzigender war auch unser Bürgermeister und hat eine Straftat begangen. Bärtchen kann man auch ankleben, Bär.“ Heike versprach Dietmar sich umzuhören und umzuschauen.
Als er mit Sophie Haas weiter Richtung Dümpelbach fuhr stand am Straßenrand ein Wagen und ein junger Mann winkte ihnen zu, dass sie anhalten sollten. Die Kommissarin hielt neben ihm. „Da, da im Straßengraben liegt eine Leiche!“ rief er aufgeregt. Dietmar bewegte sich träge aus dem Auto und schaute in den Graben. „Frau Haas, Nr. 3!‘  Sophie sprang förmlich aus ihrem Wagen und strahlte den jungen Mann an. Dieser beteuerte sofort, er habe nichts damit zu tun. „Die lag hier, ich schwöre ihnen, ich hab sie nicht angefahren.“ Frau Haas betrachtete die Tote und sagte zu Dietmar: „Scheint diesmal etwas frischer zu sein. Oder wurde die auch exhuminiert, Schäffer?“
„Nee , also nee, die kenne ich. Das die Nichte vom alten Winkelbauer. Sie wissen schon der, der immer die Weihnachtsgans für den Feuerwehrball stiftet.“ Sophie nickte geistesabwesend und besah sich das Armband der Toten. „Eindeutig Nr. 3, Schäffer. Gute Wertarbeit aus Engeldorf. So langsam wird es interessant. Leider auch etwas viel. Wir werden wohl Verstärkung brauchen um hier in alle Richtungen ermitteln zu können.“ Sophie sagte zu dem jungen Mann, er möge Dietmar seine Personalien geben und dann weiterfahren. Selber rief sie die Spurensicherung an und zündete sich eine Zigarette an, diese sollte sie beim Nachdenken unterstützen. Nach zwei Zügen warf sie die Zigarette bereits wieder zu Boden und wählte mit ihrem Handy die Nummer der Wache.
Auf der Wache war Bärbel Schmied eifrig mit dem Polizeicomputer beschäftigt und sie suchte fieberhaft nach dem Mann mit rot-blondem Haar. Erkennungsdienstlich waren einige erfasst, auf die die Beschreibung passte. Mehrere Ausdrucke lagen vor ihr, als das Telefon klingelte. „Polizei Hengasch, Bärbel Schmied am Apparat!“ „Bärbel, wir haben eine neue Tote……..“ Sophie Haas hatte die Sachlage geschildert und als Bärbel hörte, wer die Tote war, zog es ihr eiskalte Schauer über den Körper, denn mit der Nichte vom Winkelbauer war sie zur Schule gegangen. Ria Rose war ihr Name und sie lebte eigentlich schon länger nicht mehr in Hengasch sondern war wegen ihrer Ausbildung zur Bademeisterin nach Köln gezogen. Dies erzählte Bärbel nun Frau Haas. Diese hörte gespannt zu und fragte dann, ob sie die Adresse ermitteln könne, wo Ria Rose gemeldet sei. Innerhalb weniger Minuten hatte Bärbel das Ergebnis vorliegen. „Frau Haas, jetzt halten sie sich fest. Ria wohnte in Kürten!“ „Das ist ja mal interessant!“
Stunden später hatte die Spurensicherung ihre Arbeit beendet. Die Todesursache war ein Herzstillstand, wie Dr. Bechermann der Gynäkologe, der regelmäßig zu den Hengascher Tatorten gerufen wurde, festgestellt hatte. Das Armband war eingetütet und wurde mittlerweile im Labor untersucht. Ebenso hatte man die beiden anderen Armbänder dorthin geschickt. Frau Haas saß an ihrem Schreibtisch und sichtete die Ausdrucke von den potentiellen Tätern. „Wir müssen die Fotos der Polizei in Bergisch Gladbach senden, damit diese der Frau Kämpfe-Manegold vorgelegt werden. Vielleicht ist unser Mann ja dabei und sie erkennt ihn wieder. Die sollen auch gleich einen Zeichner mitschicken. Schäffer leiten Sie das in die Wege.“ „Mach ich, Frau Haas. Meinen Sie wir können dann Feierabend machen? Also Heike hat mir schon 2 SMS geschrieben wegen dem Essen.“ Sophie schaute ihren Untergebenen prüfend an als sie fragte: „Ihrer Frau ist schon klar, dass sie mit einem Polizisten verheiratet ist und nicht mit einem Zeitungsboten?“ Dietmar nickte nur und Bärbel grinste dazu.
Sophie hatte noch lange in der Wache gesessen und gegrübelt. Als Dietmars Magen penetrant angefangen hatte zu knurren, hatte sie ihn und auch Bärbel nach Hause geschickt. Sie selbst hatte die ausgedruckten Fotos betrachtet und sich gefragt, welcher Mann wohl für diese Taten in Frage kam. Gegen elf Uhr nachts war sie dann auch nach Hause gefahren und hatte sich eine Flasche Rotwein gegönnt.
Bärbel hatte den Abend bei ihrem Bruder Michael beendet und ihm beim Kalben der Kuh Rosinante geholfen. Als sie ihm währenddessen von den merkwürdigen Vorfällen erzählt hatte, hatte er gesagt: „Nicht dass die Rosinante auch noch ein Herz – und Rosenarmband bekommt. Immerhin trägt sie ja auch die Rose in ihrem Namen.“ Bärbel wusste zunächst nicht was er damit sagen wollte, doch als er sagte: „Aber die Rosinante lebt ja noch.“ wurde ihr der Zusammenhang klar. Das musste sie auf jedenfall gleich morgen ihrer Chefin erzählen.
Bei Dietmar war das Essen kalt geworden und Heike hatte Dietmar mit den Worten: „Du liebst mich nicht mehr! Oder schmeckt es dir bei mir nicht mehr“ empfangen und er hatte alle Mühe seiner Muschi zu erklären, dass der Fall sehr komplex und mysteriös sei und sie gerade jetzt etwas flexibler sein musste als Polizistenfrau. Diese war erst versöhnt als er eine zweite Portion herunterschlang und mit dicken Backen, noch kauend sagte: „Du bist und bleibst neunmal die beste Köchin von ganz Hengasch. Ach was, vom ganzen Kreis Liebernich.“
Nun war es bereits wieder heller Tag und in Engeldorf legte man Frau Kämpfe-Manegold die Fotos vor. Sie erkannte aber keinen der Männer als ihren Schmuckkäufer und so wurde eine Phantom Zeichnung angefertigt. Diese faxte die Bergisch Gladbacher Polizei nach Hengasch. Dort saßen mittlerweile Frau Haas und ihre beiden Kollegen bei der Lagebesprechung. Bärbel teilte die „Rosentheorie“ wie sie sie nannte mit. „Also der Michi sagte, die haben ja nun zwei Mal schon die Rose im Namen gehabt. Bei dem unbekannten Skelett sollte man dann vielleicht auch in diese Richtung denken.“ Zunächst hatte Frau Haas gelacht und sagte: „Na klar, der Milchbauer hat eine Theorie während die Polizistin zum Melken geht!“ „Kalben Frau Haas. Die Rosinante hat gekalbt.“ Dietmar antwortete: „Och schön. Wird ja auch langsam Zeit. Was ist es denn geworden?“ „Ein kleiner Bulle. Wir haben ihn Didi getauft.“ Sophie lachte „Hallervorden?“ „Ähm nein Frau Haas, die bekommen keine Nachnamen.“ Sie bemerkte nicht die Ironie in der Stimme ihrer Chefin. Dietmar schaute zum Faxgerät, „Fax Chefin!“, blieb aber sitzen. Sophie fragte: „Und Schäffer, was steht drin.“ Dietmar antwortete träge: „Weiß ich nicht. Soll ich mal nachschauen?“ Frau Haas rollte mit den Augen als sie antwortete: „Nein, wir warten bis ihre Frau zur Tür hereinkommt, die kann es dann direkt mitbringen.“ Schäffer schaute aus dem Fenster und auf seine Uhr: „Ist noch etwas zu früh für Heike. Die macht gerade an so einem TV Kurs mit, sowas wie Yoga, also die kommt bestimmt noch nicht Chefin.“ Frau Haas platzte der Kragen: „Schäffer,das Fax!“ Dietmar bewegte sich langsam verstehend. „Ist das Phantombild aus Bergisch Gladbach.“ Alle drei schauten gespannt auf die Zeichnung. „Sieht aus wie unser Bürgermeister.“ rief Bärbel aus. „Unglaublich!“ sagte Sophie und Schäffer meinte: „Wenn das Heike sieht!“
Eine Viertelstunde später saß Sophie dem Bürgermeister Jan Schulte gegenüber und fragte: „Haben sie eigentlich einen Bruder, Herr Schulte?“ „Nicht dass ich wüsste, Frau Haas. Aber warum fragen sie?“ „Tja also eigentlich darf ich sie in diesem Fall der laufenden Ermittlungen nicht darüber informieren.“ „Wieso nicht, als Bürgermeisters muss ich doch wissen, was in unserem beschaulichen Eifelörtchen vor sich geht.“ „Müssen sie das, Herr Schulte? Dann sollten sie sich vielleicht eine Hotline zu den Landfrauen legen, die sind hier ja immer bestens informiert.“ Jan Schulte strich sich durch seine rotblonden Haare und grinste breit. „Sie meinen sicher, ein Anruf bei Frau Schäffer genügt.“ „Oder so!“ antwortete Sophie ebenfalls grinsend. „Also Frau Haas, kommen sie auf den Punkt, wie kann ich ihnen weiterhelfen.“ Sophie überlegte kurz und dann meinte sie: „Kleben sie sich einen Oberlippenbart an.“ Schulte dachte, er habe sich verhört: „Wie meinen, Frau Haas? Ist das ein Scherz?“ „Nein, nein, ich will sehen, wie der an ihnen aussieht. Haben sie keinen von Karneval irgendwo rumliegen.“ Der Hengascher Bürgermeister lachte laut als er antwortete: „Karneval? In Hengasch? Wir sind hier doch nicht in Köln, Frau Haas. Was soll ich denn damit? Wenn ich einen Oberlippenbart haben will, rasiere ich mich zwei Tage nicht und schwupps ist er da. Allerdings steht der mir nicht. Passt farblich schon nicht mehr zum Rest.“ Sophie schaute etwas verwirrt in Schultes Gesicht: „Wie meinen sie das?“ „Naja, er ist halt schon grau. Also da bin ich dann doch etwas eitel.“
„Ach soooo….“ Sophie entschloss sich nun doch Schulte die Phantomzeichnung zu zeigen und zog sie aus ihrer riesigen Handtasche, die mehr einer Einkaufstasche glich.“ Kennen sie diesen Mann, Herr Bürgermeister?“ Jan Schulte blickte auf die Zeichnung und dann auf Frau Haas. „Daher weht der Wind. Ich werde verdächtigt. Tja schon verblüffend Frau Kommissarin. Aber schauen sie mal in meine Augen. Ich habe eine ganz andere Augenfarbe.“ Frau Haas betrachtete die Zeichnung und schaute dem Bürgermeister dann tief in die Augen. Scheinbar etwas zu tief, denn dieser fragte: „Darf ich sie zum Essen einladen, Sophie?“ „Zum was sie wollen, Herr Schulte!“ war die dahinschmelzende Antwort von Frau Haas.
Jan Schulte war nach dem Gespräch mit Sophie von seinem Büro nach Hause  gefahren und hatte einen Karton alter Fotos herausgekramt. Nach wenigen Minuten fand er ein Foto seines vor zwanzig Jahren verschwundenen Cousins.  Bernhard Schulte war ein paar Jahre älter als Jan und sah im doch recht ähnlich. Wenn er sich nun vorstellte, dass Bernhard ein Oberlippenbärtchen hätte, käme er dem Phantombild doch recht nah. Bernhard war von heute auf morgen verschwunden. Er lebte damals mit seinen alten Eltern in der Nähe vom Eifel Hof. Man hatte gemunkelt, dass er die Tochter vom Eifel Hof geschwängert habe, diese war kurz nach seinem Verschwinden tödlich verunglückt. Allerdings war sie da nicht mehr schwanger. Hatte sie das Kind bereits geboren oder was war geschehen? Bislang hatte Jan sich nicht dafür interessiert, doch nun nahm diese alte Geschichte plötzlich Raum ein. Bernhards Eltern konnte er nicht mehr fragen, die waren schon lange verstorben und ruhten auf dem Dümpelbacher Friedhof. Ob es alte Einträge im Geburtsregister gab? Vielleicht war ja ein Kind eingetragen, wo man Bernhard Schulte als Vater fand. Oder über die …Tochter, wie hieß sie doch noch gleich mit Vornamen. Angestrengt überlegte er und dann fiel ihm der Name wieder ein. Annerose war ihr Name gewesen. Eilig fuhr er zurück zu seinem Arbeitsplatz ins Gemeindehaus. Hoffnungsvoll tippte er die Namen in den Computer. Tatsache sah er nur wenig später die Geburt eines Kindes im Register, dessen Eltern tatsächlich sein Cousin Bernhard und die besagte Annerose waren. Nachdenklich wählte er die Nummer der Hengascher Polizeistation. „Schmied, Polizei Hengasch“ hörte er Bärbel in den Hörer hauchen. „Schulte hier, wieso flüstern sie so Frau Schmied?“ „Dietmar schläft gerade. Hatte wenig Ruhe in den letzten Tagen. Und er sieht so friedlich aus, wenn er schläft. Wie ein kleiner Junge.“ „Äh ja Frau Schmied, ich nehme an, ihre Chefin ist nicht im Hause.“ „Nee, die ist zum Dr. Kauth gefahren.“ „Denn sagen sie ihr ich habe etwas wissenswertes für sie, sie soll sich bei mir melden.“ „Mach ich, Herr Bürgermeister.“
Sophie legte ihre Füße auf Jochens Knie und sagte: „Können Veterinärmediziner eigentlich auch massieren?“ „Ja, wenn das Tierchen besonders kuschelig ist.“ Sophie kuschelte sich an Dr. Kauth und dieser griff sich ihre zarten Füße. Während er sie massierte, griff Sophie zu ihrem Handy und rief auf der Wache an. Bärbel erzählte ihr von Jan Schultes Anruf. Nach einem hastigen „Danke“ legte sie auf und sprang auf. „Die Pflicht ruft!“ rief sie aus und schon war sie zur Tür hinaus und brauste in ihrem Cabrio davon.
Dietmar gähnte herzhaft und hob den Kopf vom Schreibtisch. Bärbel schaute zu ihm hin und fragte: „Kaffee?“ „Oh ja, den brauch ich jetzt. Hier ist ja wieder was los. Wo ist denn die Haas?“ Bärbel zuckte mit den Schultern. Dietmar murmelte „Treibt sich rum und wir haben hier die Arbeit.“
Sophie saß gerade wieder bei Jan Schulte und hörte gespannt seinen Ausführungen zu. Als er geendet hatte, nickte sie und sagte: „Es könnte was dran sein, ich erkenne auf jeden Fall ein Muster. Alle bisher identifizierten Toten tragen den Namen Rose in ihren Namen und die ehemalige Freundin ihres Cousins hieß Annerose. Wie heißt das Kind?“  „Es wurde ein Mädchen mit dem Namen Roswitha-Marie eingetragen.“  Sophie strahlte: „Wo ist dieses Kind jetzt?“ „Dieses Kind wurde scheinbar zur Adoption freigegeben. Wäre heute 25 Jahre alt“ Sophies Handy klingelte. Sie nahm den Anruf entgegen, horchte angespannt und wiederholte „Also männlich und schon ca.10 Jahre tot. Okay. Gibt es DNA? “
Als das Telefonat zu Ende war, fragte sie Jan Schulte, ob er mit ihr nach Euskirchen fahren könne, sie brauchte eine DNA Probe von ihm zum Abgleich mit dem bislang unbekannten Toten vom …Hof. Schulte sagte: „Frau Haas, warum fragen sie nicht den alten Dr. Block. Der ist damals Zahnarzt hier gewesen und wenn sie bei dem Toten an Bernhard denken, werden sie es darüber herausfinden. Er hatte sehr schlechte Zähne.“ Sophie klatschte ihre Hand an die Stirn und schon griff sie wieder zum Handy.
Dietmar zuckte zusammen als das Telefon auf seinem Schreibtisch schrille. „Mann, mann, mann, hier hat man keine 5 Minuten seine Ruhe.“ „POLIZEI!“ blaffte er in den Hörer. „HAAS“ blaffte Sophie zurück. Dietmars Körper straffte sich und nahm Haltung an. „Chef!“ „Schäffer, sie gehen zum Dr. Block und nehmen Einsicht in die Patientenakte von Bernhard Schulte“ „Chef der Block ist in Rente und Bernhard Schulte, der war schon hier in Hengasch weg als ich noch ein Kind war“ „Schäffer machen sie einfach, was ich sage!“ Sophie klickte das Gespräch weg und wandte sich wieder Jan Schulte zu: „Wie war das mit dem Essen? Ich hätte jetzt Hunger.“ Der smarte Bürgermeister grinste und hakte Frau Haas unter. „Na denn, auf zum Aubach.“
Im Aubach polierte Lydia Gläser und zu Sophies Leidwesen wurde sie dabei von Heike Schäffer unterstützt. Jan suchte einen Platz abseits der Theke und Sophie war ihm dankbar dafür. So waren sie zumindest nicht in Heikes Hörweite. Diese schaute angestrengt zu den Beiden herüber. Sophie murmelte: „Ich wette, die kann sogar von den Lippen lesen!“ und wechselte den Platz. Jetzt saß sie mit dem Rücken zur Theke. Jan musste lachen und griff zur  Speisekarte. „Möchten sie selber wählen Frau Haas oder soll ich uns etwas bestellen?“ Sophie nahm ihm die Speisekarte ab und bestellte wenig später ihr Essen. Jan tat es ihr gleich und sie unterhielten sich leise über Bernhard Schulte. Als Lydia das Essen servierte, schnappte sie den Namen auf und kurz darauf war Heike im Bilde. Diese verließ spontan das Lokal um ihren Dietmar in der Wache aufzusuchen. Dort war allerdings nur Bärbel anzutreffen. „Wo ist denn der Bär?“ „Ach Heike, der soll zum alten Block und die Patientenakte von Jans Cousin Bernhard einsehen.“
Zwischenzeitlich war Dietmar beim alten Dr. Block der im Dümpelbacher Seniorenstift lebte angekommen und trug ihm sein Anliegen vor. „Der Dietmar, Schneidezähne und Weisheitszähne. Ich erinnere mich an das Theater, was du gemacht hast bei der Behandlung.“ Dietmar war froh, dass niemand anderes dies hören konnte. Dr. Block betrachtete Dietmars Mund und sagte, er nuschele immer noch etwas, da hätte er wohl etwas mehr schleifen müssen. Dann kam langsam Bewegung in ihn: „Die Akten hab ich nicht mit ins Altenheim genommen Dietmar. Aber die sind im Keller der alten Praxis aufbewahrt in sechzig Kartons. Stell dir mal vor, so viele Patienten hatte ich. 60 Kartons voller Akten.“ Dietmar wollte es sich lieber nicht vorstellen, denn es war ihm klar, wer diese Kartons sichten musste. „Kann ich den Schlüssel haben und mir die Akte raussuchen?“ Der alte Zahnarzt benötigte eine Weile bis er den Schlüssel zu seiner ehemaligen Praxis gefunden hatte.
Heike war nun in ihrem Element, ihre Neugier und Kombinationsgabe wurden aufs äußerste gereizt. Als sie die Wache verlassen hatte, war sie zur alten Praxis von Dr. Block gefahren, denn nur dort konnten ja die Akten lagern. Der alte Zahnarzt würde die nicht mit ins Seniorenheim genommen haben. Kaum dort angekommen nahte auch schon Dietmar mit dem Schlüssel. „Muschi! Dich schickt der Himmel! Ich muss 60 Kartons alte Akten durchsuchen. Ich brauche …“ Weiter kam er nicht, denn Frau Schäffer vervollständigte bereits den Satz „… die Akte vom Bernhard Schulte“  Dietmar fragte nicht, woher seine Frau dies wieder wusste, sondern schloss eilig die Tür auf.
Als sie in den Keller kamen, fanden sie bereits in der Eingangstür Papiere am Boden. Der Raum war voll mit Kartons, die zum größten Teil sehr zermürbt aussahen. „Was ist das denn für ein Chaos“ rief Heike aus. „Das hat doch nicht der Block angerichtet. Bär hier hat jemand etwas gesucht!“ Dietmar rief seine Chefin an. „Frau Haas, hier ist alles durcheinander, also ich meine, hier war wohl schon wer vor uns da.“ Sophie runzelte ihre Stirn und antwortete: „Bleiben sie wo sie sind Schäffer. Ich bin gleich bei ihnen.“
Heike konnte ihre Neugier nicht bezwingen und sammelte einige der am Boden liegenden Akten auf. Während sie noch interessiert las, kamen Frau Haas und Herr Schulte in den Keller. Sophie blickte zunächst auf die Akten und dann auf Frau Schäffer. „Frau Schäffer, Fall gelöst?“ fragte sie süffisant und blickte dann etwas grimmig zu Dietmar. Dieser hob beschwichtigend die Hände an und beteuerte: „Sie war schon vor mir vorm Haus, Chef. Ich hab sie nicht herbestellt.“ „Geschenkt, Schäffer!“ erwiderte sie und zu Heike gewandt: „Also, was steht drin.“ Heike Schäffer schüttelte den Kopf und antwortete ein wenig irritiert: „Nicht das, was man bei einem Zahnarzt vermuten würde. Also das sind Unterlagen einer Hebamme. Genauer von der Rosa.“ Sophie bekam große Augen: „Wie jetzt? Die vom Misthaufen?“ „Ja, Frau Haas.“ antwortete Heike nachdenklich. Jan Schulte sagte nun: „Die alte Rosa war Hebamme hier im Kreis Liebernich.“ „So!“ rief Sophie aus. Heike verstand den Zusammenhang noch nicht. Dietmar fragte: „Wer sucht nun die Akte? Gibt ja scheinbar noch mehr als nur seine Akten hier.“ Sophie lächelte als sie sagte: „Sie Schäffer suchen die Akte vom Schulte und sie Frau Schäffer sortieren die Hebammenakten aus.“
nFluchend sortierte Dietmar die Zahnarztakten und Heike las wissbegierig Blatt für Blatt der Hebammenakten. Zwischendurch hörte man ein „Ach“ und „Oh“ und ein „Das ist ja interessant!“ aus ihrem Mund.
Bärbel Schmied wartete ungeduldig auf der Wache, hatte sie doch irgendwie das Gefühl in diesem spannenden Fall zu viel zu verpassen. Als ihre Chefin endlich wieder da war und ihr von den neuesten Erkenntnissen berichtete, wurde ihr Gefühl bestätigt „Also denken sie Frau Haas der Tote vom Krügerhaus ist Bernhard Schulte?“ „Genau Bärbel, das denke ich.“
„Und warum liegen da auch Akten von der Rosa?“ „Weil die Rosa dort ihr Hebammenbüro hatte. Jedenfalls wusste Heike, dass sie einen Raum dort gemietet hatte und ihre Hebammentätigkeit von dort aus koordinierte.“ „Und warum sucht Jemand in den Akten etwas?“ „Also Bärbel, der Bernhard Schulte hatte ein uneheliches Kind, Roswitha-Marie und diese wurde wohl zur Adoption freigegeben. Wenn nun Rosa das Kind auf die Welt geholt hat, hat sie vielleicht auch in ihren Akten etwas über den Verbleib des Kindes vermerkt. Wenn nun das besagte Kind nach Hengasch zurück gekehrt ist und auf Spurensuche gegangen ist? Und dabei dann auf ein paar interessante Punkte gestoßen ist, denn kann es doch sein, dass sie etwas mit den Armbändern zu tun hat.“ „Aber Frau Haas, wenn der Bernhard schon zehn Jahre tot ist, denn hat der auf keinen Fall erst kürzlich den Schmuck kaufen können und vor allem muss die Person die diese Armbänder anlegt von dem Toten auf dem Hof gewusst haben. Wie sonst erklärt sich der Fall sonst?“
Die Chefin hatte aufmerksam zugehört. „Das müssen wir herausfinden.“
Am Abend saß Frau Haas auf der Treppe ihres Hauses. Dr. Kauth saß neben ihr und sie überlegten gemeinsam.   Mittlerweile hatte Dietmar die Patientenakte gefunden und ein Gebissabgleich hatte ergeben, dass der unbekannte Tote vom Hof tatsächlich Bernhard Schulte war. Doch wie war er dorthin gelangt und wie und wann war er gestorben?  Warum lag Rosa die ehemalige Hebamme statt in ihrem Grab auf dem Misthaufen und wie passte die Bademeisterin aus dem Straßengraben ins Bild? Eine weitere Untersuchung hatte Dr. Bechermanns Diagnose bestätigt. Herzinfarkt!  Wie konnte man Roswitha-Marie finden, wenn es keine Aufzeichnungen darüber gab. „Jochen, ich habs. Die Aufzeichnung wohin Roswitha-Marie gekommen ist hatte die Hebamme. Jemand hat danach gesucht und wahrscheinlich auch gefunden. Es muss den oder diejenige so zornig gemacht haben, dass sie die Tote ausgebuddelt hat und sie dann auf den Misthaufen geworfen hat. Was, wenn die alte Hebamme weitaus mehr wusste als alle glauben? Waren diese alten Hebammen nicht gleichermaßen auch Heilkundige? Jochen, was weißt du über sie?“ Jochen überlegte kurz und antwortete: „Ja, sie war tatsächlich so wie ein altes Kräuterweib. Sie hat auch mich auf die Welt geholt. Sie wusste viel und hörte noch mehr. Aber worauf willst du hinaus?“ „Weiß ich auch noch nicht so genau. Wieso erinnert mich dein Satz an Frau Schäffer? Wusste viel. Vielleicht zuviel? Wer könnte noch wissen wo Roswitha-Marie hingekommen ist?“ „Dr. Block, schließlich lagerten die Akten in seinem Keller.“ Sophie drückte Jochen einen flüchtigen Kuss auf die Stirn, sprang auf und rief: „Du bist ein Schatz. Warte nicht auf mich, ich muss nochmal auf die Wache.“ Mit überhöhtem Tempo fuhr sie durch den Ort. Natürlich wieder einmal  geradewegs durch Zilonkas Blitzanlage. „Na warte!“ brummte sie im vorbeirauschen. In ihrem Büro schaltete sie den Computer an und recherchierte über die Bademeisterin. Es gab mehrere Fotos von ihr im Netz und sie hatte auch einen Facebook Account. Über Kollegen aus ihrer Freundesliste fand sie schließlich, was sie suchte. Ein Foto zeigte sie mit einem jungen Mann und dieser sah aus wie Jan Schulte in jünger. Was, wenn dies Roswitha-Marie wäre? Das Foto war nicht markiert. Trotzdem fand sie den Account des jungen Mannes. Er hatte das Foto kommentiert  mit „Meine Rose ist die Schönste von allen!“ Frau Haas klickte sein Profil an und las „Robert …“ „Da schau her. Jetzt wird es spannend.“
Gleich zur Frühstücks Stunde im Seniorenheim besuchte Sophie Dr. Block. „Was können Sie mir zu Roswitha-Marie Schulte sagen?“ Dr. Block schaute Frau Haas prüfend an bevor er antwortete.  „Sie meinen sicher Robert Block? Über den Verbleib von Roswitha-Marie geben die Akten Auskunft. Leugnen hat wohl jetzt nur noch wenig Sinn. Oder Frau Kommissarin? “ „Genau Herr Dr. Block, was wissen sie also darüber?“ Der alte Arzt bat Frau Haas mit ihm gemeinsam zu frühstücken und dann erzählte er von damals als Bernhard Schulte die Annerose geschwängert hatte. Er hatte mit ihr zusammen die alte Rosa aufgesucht und sie um Hilfe und Stillschweigen gebeten. Rosa hatte nach wenigen Wochen bemerkt das Annerose zwei Kinder erwartete. Dieses Wissen behielt sie zunächst für sich. An einem Abend mit viel Wein hatte sie dann ihm erzählt das die Annerose Zwillinge erwartete. Gemeinsam hatte man an dem Abend über die Chancen geredet die uneheliche Zwillinge von Annerose und Bernhard hier in Hengasch haben würden. Man war zu dem Entschluss gekommen, den jungen Leuten das zweite Kind zu verheimlichen und auch für das erste Kind eine geeignete Pflegefamilie zu suchen. Das andere Kind würde man zu Dr. Blocks Bruder geben, dessen Ehe bislang kinderlos geblieben war. Für Rosa als Hebamme war dies damals eine Leichtigkeit, denn sie kannte genug Mittel und Wege, um auch während der Geburt nicht immer alles zu bemerken. Mehr noch, er Dr. Block habe ja auch Betäubungsmittel im Haus gehabt, denn als Zahnarzt war ihm dies ja nicht verwehrt. Rosa hatte einen Schlüssel zur Praxis besessen und was sie brauchte, nahm sie sich bei Bedarf. Als die Kinder geboren waren hatte Rosa nur Roswitha-Marie registrieren lassen und den kleinen Jungen gleich zu Dr. Blocks Bruder schaffen lassen. Dieser lebte im Bergischen Land und durch seine Stellung als Gemeinderat hatte er Robert Block schlicht und einfach zu seinem Sohn gemacht.
Der alte Arzt erzählte weiter. Als wenige Wochen nach der Geburt Bernhard verschwand und Annerose verunglückte geriet die ganze Geschichte in Vergessenheit. Roswitha-Marie war zu einer Familie nach Bonn gekommen und Robert lebte als Sohn der Familie Block ein glückliches Leben im Bergischen Land. Doch vor einigen Jahren war plötzlich Bernhard Schulte wieder da. Unbemerkt, denn seine Eltern lebten nicht mehr und er hatte sich sehr verändert Er war viele Jahre in Amerika gewesen und hatte dort sein Glück gesucht.  Eines Abends stand er in der Praxis, es war bereits Feierabend und nur Dr. Block und Rosa waren noch da gewesen. Er fragte Rosa nach dem Verbleib seiner Tochter. Diese weigerte sich, ihm Auskunft darüber zu geben und bat ihn zu gehen. Ein Wort hatte das andere gegeben und Bernhard wurde handgreiflich.  Dr. Block, der zufällig im Nebenzimmer war, hatte eine Spritze mit Betäubungsmittel aufgezogen und ihm diese in das Rückenmark gestoßen. Bernhard war mehrere Stunden unfähig sich zu bewegen und tobte er würde sie beide anzeigen und überhaupt würde er gerichtlich durchsetzen lassen, sein Kind zu finden. Rosa und Dr. Block bekamen Angst, dass wenn er die alte Geschichte aufrollen würde, womöglich auch die Zwillingsgeburt offenkundig würde. So bekam er noch eine Spritze und sie schafften ihn in Rosas Wagen weg zum Krügerhaus. Dort würde man ihn nicht so schnell finden. Eine Überdosis beendete Bernhards Leben, denn Rosa hatte noch einmal nachgespritzt. Dies habe er aber nicht gewusst und hatte es erst Tage später erfahren, als er selbst ihm etwas zum essen in sein „Gefängnis“ bringen wollte. Er hatte Rosa danach zur Rede gestellt und diese hatte gesagt: „Es weiß ja keiner!“ Er hatte kurz danach seine Praxis aufgegeben und sich immer schlecht gefühlt mit diesem Wissen. Die ganze Geschichte hatte er aufgeschrieben und sie „Rosenbund“ genannt. Sein Gewissen wurde dadurch nicht leichter, jedoch konnte er so das Geschehene ein wenig verarbeiten. Als er dann eines Tages ins Pflegeheim kam und sein Bruder mit Robert den Umzug organisierte, musste Robert die Geschichte gefunden haben. Wenige Wochen danach war er zu ihm gekommen und hatte ihn zur Rede gestellt. Dr. Block hatte ihm die Wahrheit gesagt und ihn gebeten Stillschweigen zu bewahren, denn die alte Rosa war mittlerweile verstorben und er hatte ja Bernhard nicht getötet. Robert hatte damals nichts weiter dazu gesagt und war zurück ins Bergische Land gefahren, wo er mit der Bademeisterin zusammen war. Diese war gebürtig aus Hengasch und Dr. Block befürchtete, dass sie irgendwann die Wahrheit über Roberts Identität herausfinden könnte. Der Tag an dem sie im Straßengraben lag war reiner Zufall gewesen, sie hatte gejoggt und sich überanstrengt. Sophie staunte über das Wissen des alten Arztes. Er sagte ihr, dass er sich bei einem alten Freund der Gerichtsmedizin erkundigt habe. Sophie Haas murmelte: „Hier in Hengasch scheint jeder schneller etwas zu wissen als die Polizei.“ Aber was war mit den ominösen Armbändern und warum schien der Robert auf dem Phantombild älter als er wirklich war. Dr. Block sagte das Robert an der Schauspielschule sei und er mitunter gerne sein Äußeres verändere. Er muss beim Kauf der Armbänder wohl genau dieses getan haben. Seiner Freundin habe er wohl das Armband geschenkt und die anderen beiden Rosa und Bernhard angelegt.  Sophie gab sich damit nicht zufrieden. „Er hat 5 Armbänder gekauft Wo sind die anderen beiden?“ „Frau Haas, schauen sie doch mal hier auf den alten Friedhof beim Grab von Annerose vorbei. Ich bin sicher, dort finden Sie eins davon.“ Sophie griff zum Handy und rief Bärbel Schmied an dies zu überprüfen. Wenig später bestätigte Bärbel die Annahme des alten Zahnarztes.  „Wo finde Ich nun ihn?“ „Ich denke er wird seine Schwester suchen. Roswitha-Marie, denn ich vermute mal, ihre Akte ist verschwunden aus Rosas alten Unterlagen. Diese wird wohl Armband Nr. 5 bekommen.“  Sophie nickte. Was für eine Geschichte. Wieder rief sie auf der Wache an und ließ Dietmar mit dem Streifenwagen zu sich kommen. „Sie wissen, Herr Dr. Block, dass ich sie jetzt wegen Mithilfe und Mitwisserschaft an einer Straftat festnehmen muss.“ Der alte Mann nickte nur.
Zwei Tage später hörte man Heike im Dorfladen bei Frau Runkelbach erzählen: „Denkt euch so etwas mal. Dieser Robert ist ja eigentlich der Großcousin vom Bürgermeister und der hat tatsächlich die Rosa ausgegraben und auf den Mist geworfen. Aber warum er ihr noch ein Armband geschenkt hat, verstehe ich nicht.“ Sophie Haas, die in diesem Moment den Laden betrat sagte: „Ich schon, er ist Schauspieler von Beruf und liebt das Drama: „ROSENBUND“ sie verstehen, Frau Schäffer?“ Diese nickte vorsichtshalber einmal, denn vor der Haas wollte sie sich keine Blöße geben.
Dietmar und Bärbel saßen in der Wache und tranken ihren Kaffee. „Mann, mann, mann, das war ja ein Fall, was Bärbel? Hättest du so etwas hier bei uns vermutet?“ „Nee, aber jetzt ist ja wieder Ruhe.“ Dietmar lehnte sich zufrieden zurück und streichelte sich über seinen Bauch. “ Endlich! Haben wir gut gelöst, den Fall.“

https://elisabethvanlangen.wordpress.com/2015/01/28/fan-fiktion/

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