Sinn oder Unsinn der „Ice Buck Challenge“

Ich spende das ganze Jahr über an irgendwas und irgendwen. Mich muss man nicht gezwungenermaßen zum spenden auffordern und meine Sparmaßnahmen an der Klospülung zu nichte machen. Denn überlegen sie mal wieviel Wasser weltweit für diese Eiswasser Challenge verbraucht wird. Eimer für Eimer kostbares Nass. Andernortens ist Wasser bereits eingezäunt und wird schwer bewacht.

An sich ist es eine gute Idee um auf eine Erkrankung aufmerksam zu machen, doch mittlerweile hat sich diese Idee verselbstständigt und es wird mehr Wert auf „Ich hab auch mitgemacht!“ gelegt als auf den Ursprungsgedanken. Promis u Nicht Promis zeigen sich und verschwenden Ressourcen, bessern ihr Image auf und spenden hier und da und manche auch für den ALS ( Amyotrophe Lateralsklerose) Zweck. Doch tun sie es wirklich? Wer kontrolliert es? Was jetzt nicht unterstellen soll es würde keiner einzahlen , jedoch geht es hier doch wohl mittlerweile mehr um die „Zeigefreudigkeit“ und den Narzismus des Einzelnen.

Nein, ich rede diese Icebuck Challenge hier nun weder schön noch kaputt. Viele meiner Freunde haben bereits dran teilgenommen (Prominente und weniger Prominente) und hatten Spaß an dem eiskalten Guss aufs Hirn. Ob dabei die Denkfähigkeit oder der Kreislauf in Wallung gesetzt wurde? Keine Ahnung! Hat es die Portemonnaies geöffnet? Keine Ahnung! Jedenfalls die Wasserwerke hat es gefreut, wieder ein paar Liter mehr zum abrechnen. Regnet übrigens gerade vom Himmel hoch 😉 Sozusagen nachhaltiger Nachschub für die Challenge oder nicht? Trotzdem bleibe ich dabei, jeder Eimer Eiswasser ist Verschwendung und gerade heutzutage wo es in der Welt an vielem mangelt, ist es schon fast wie Hohn denen gegenüber, die anderswo leiden und froh wären wenn sie auch nur einen Schluck Eiswasser zu trinken hätten.

Von mir gibt es jedenfalls keine Teilnahme an dieser Challenge und doch beteilige ich mich hier und jetzt. Ich möchte etwas über die Erkrankung ALS an sich erzählen und dann dürfen sie nochmal nachdenken ob weiterhin das zur Schau stellen oder das spenden für einen guten Zweck im Vordergrund stehen soll.

ALS ist ein Nervenleiden, welches noch nicht so sehr in das Bewusstsein der Bevölkerung vorgedrungen ist, wie z.B Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder HIV. Zur Zeit spricht die Welt sehr viel über Ebola und eigentlich könnte man auch dafür spenden, wie für viele andere Erkrankungen auch, deren Erforschung wichtig und richtig ist. Weiter nun zu ALS – Amyothrope Lateralsklerose.

Der Verlauf dieser Krankheit ist sehr unterschiedlich und unbestimmbar, so das sie selbst von fachkundigen Spezialisten nicht vorhergesagt werden kann. Die Symptome der Erkrankung sind stetig fortschreitend. Die Symptome können schmerzlose Lähmungen in variabler Kombination mit spastischen Symptomen sein. Sämtliche Muskelgruppen können von ALS betroffen sein, ausser die Augenmuskulatur, der Schließmuskel von Darm und Blase, sowie der Herzmuskel.

Unwillkürliche Zuckungen wie bei Spastikern oft sichtbar, treten auf. Diese sind nicht schmerzhaft, jedoch trotzdem kein Vergnügen für den Betroffenen, denn er kann diese nicht kontrollieren. Viele dieser Erscheinungen gehen einher mit Schluckstörungen (Dysphagien) und Sprechstörungen(Dysarthrie).

Anzeichen einer Dysphagie kann Husten während und nach dem Essen sein, daraus resultiert oft Essensverweigerung und Gewichtsabnahme. Starker Speichelfluss während des Essens bzw Kauvorganges, der aus dem Mund fließt und Essensrückstände im Mundraum können Hinweise auf ALS geben. Die Schluckstörungen können zu Pneumonien (Lungenentzündungen) führen, welche durch einatmen der Nahrung entstehen. Darüber hinaus sind Laryngospasmen ein häufiges Symptom, es bedeutet dass kurzzeitig ein Muskelkrampf im Schlund auftritt, der die Atmung behindert und eine Weile braucht um sich selbsttätig wieder zu lösen.

Bei ALS Patienten kann es zu Wein- und Lachschüben mittels dieser Anfälle und Zuckungen kommen, welche nicht kontrollierbar sind und den Betroffenen mitunter peinlich.

Die Atemmuskulatur wird meist immer mehr gelähmt und wird zu Beginn mehr als Kopfweh, Konzentrationsstörung, vermehrtes Schlafbedürfnis wahrgenommen. In Wirklichkeit verbirgt sich dort bereits eine Abnahme der Lungenfunktion. Egal wo diese Erkrankung beginnt, also in welcher Muskelregion sie zuerst auftritt, Fakt ist das zum Schluss eine vollständige Lähmung der Extremitäten (Tetraplegie)zu erwarten ist und der Patient hilflos im Rollstuhl sitzen wird. Achten sie doch einfach mal genauer auf den „vermeintlichen Spastiker im Rolli“. Vielleicht ist genau dieser ein ALS Patient und nur sie haben nie darüber nachgedacht. Was so ein Eiswürfelchen doch bewirken kann.

JA – es lohnt sich zu spenden! JA – denn Forschung hilft! ABER….was wir an der einen Seite mühsam aufbauen, zerstören wir an der nächsten Ecke wieder.

Nur wenn es mal in eine gemeinsame Richtung geht macht es Sinn und dazu gehört nicht nur ein „zur Schau stellen“ des eigenen Egos und das willkürliche verschwenden wichtiger Ressourcen. Wer wirklich helfen will der braucht keine Eiswürfel.

Den Patienten wäre schon geholfen durch mehr Verständnis dieser Erkrankung, denn der „blöde Spasti“ kannst morgen schon du selbst sein, denn die Erkrankung tritt auch noch nach dem 50.Lebensjahr auf und macht vor keinem Halt. Übrigens wird diese Erkrankung seit Jahrzehnten in Laborversuchen an Mäusen getestet und bringt die Tierschützer auf die Barrikaden. Denn jede Spende führt auch zu weiteren Versuchen an Tieren. Und bei dieser Wasserverschwendung könnte man auch ein Brunnenprojekt in Afrika finanzieren mit Spendengeldern. Also kein Eiswasser nehmen, sondern die paar Cent die euch das Wasser kostet nach Afrika (die Masse der Spender bringen dann schnell 500 euro für einen Brunnen zusammen) und eure sowieso wohlgemeinte Spende an die ALS Forschung. Sollten noch ein paar Euro übrig sein, der Tierschutz freut sich bestimmt. Und so würde dann allen geholfen, den Menschen, den Tieren, den Ressourcen, der Forschung. Einzig man wird als Spender nicht wahrgenommen! Auch dies sollte man vielleicht ändern, denn dann wäre die Bereitschaft vielleicht auch wieder höher. Ich hab mich ja schliesslich auch gefreut über mein Zertifikat von Helfer Herzen. Hach jaaaa…..da könnte man jetzt wieder über Papierverschwendung sinnieren und landet automatisch wieder bei Ressourcen. Wie man es dreht und wendet, immer ein Haar in der Suppe.

Trotzdem DANKE an die ursprünglichen Initiatoren dieser Ice Buck Challenge, denen es gelungen ist ALS bekannter zu machen und Spender zu finden. Doch genug ist genug! Jetzt sollte man wirklich nur noch an Spenden und nicht an verschwenden denken. Die Botschaft dürfte angekommen sein. Und vor allem sollten wir auch dem Co-Inititaor Corey Griffin dieser Challenge gedenken, denn dieser kam vor wenigen Tagen mit nur 27 Jahren ums Leben. Nach einer Feier sprang er ins Hafenbecken und ertrank.

Es grüßt euch in die Runde , Die Kölsche Rundfrau.

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