Renate Bergmann , die Online Oma

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Wer kennt sie nicht, diese symphatischen und skurillen alten Damen und Herren, deren Wunderlichkeit uns zum lachen bringt oder uns den letzten Nerv kostet? Mal ehrlich, sie kennen doch bestimmt mindestens eine Person in ihrem Umfeld die solche Marotten an den Tag legt, wie sie Renate Bergmann im Roman „Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker.“ beschreibt. Die „Autorin“ (Torsten Rohde 😉 ) schreibt in der „Ich“ Form und nimmt den Leser mit auf eine spannende Tour durch Berlin und dem Leben eben dieser Renate Bergmann, die 82 jährig ihre Welt rundum erkundet und dabei auch vor der modernen Technik nicht zurückschreckt.

Meine persönliche Renate Bergmann lebt schon lange nicht mehr, sie hieß „Tante Kohnen“ und eine Quarzuhr war für sie eine „Quarkuhr“. Verwundert schaute sie das Farbfernsehen an und ließ sich geduldig erklären wie die Farbe dort hineinkommt. Wirklich verstanden hatte sie das Prinzip wohl eher nicht. Als einmal ein Schwarz-Weiß Film lief, rief sie : „Die Farbe ist alle. Wir müssen dringend neue kaufen!“ Noch besser dürfte sogar meine Urgroßmutter gewesen sein, ihr Beruf war Schneiderin und in hohem Alter von fast 90 Jahren fiel ihr eine Zeitung namens „Praline“ in die Hände. Ich saß neben ihr und sie blätterte diese durch, von dem Gedanken beseelt sich die „neueste Damenmode“ ansehen zu wollen. Als ich dann auch mal schauen wollte meinte sie: „Das sind alles arme Menschen, die haben nichts anzuziehen Kind!“ Ja so waren und so sind sie, die Alten von damals und heute. Ich bin ganz sicher, auch wir werden unser Scherflein zur Belustigung anderer noch beitragen, denn Alter und Wundersamlichkeit erwischen uns alle. So erzählte doch mein Vater unlängst „Meine Tante mache einen Ausflug mit ihrem Vater“. Der Vater ist allerdings schon vor einigen Jahren verstorben. Wissen sie was ich meine? Und in Renate Bergmanns Buch geht es um genau solche Begebenheiten und der Welt von einst, gemischt mit der Neuzeit und ihrer Technik.

Ein sehr amüsantes Buch, welches mir die Woche krank im Bett liegen, angenehm verkürzt hat. Damit nicht genug, ihre Äußerungen kann man täglich auf Facebook und Twitter, in einem Renate Bergmann Account weiterverfolgen. Spiegel online hat es längst auf der Bestseller Liste, verständlich, denn es trifft den Nerv der Zeit mit Wahrheit. Und diese wird uns leider viel zu oft vorenthalten.

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