Künstlerporträt HILDE MÖLLER

Heute möchte ich euch ein Künstlerporträt präsentieren, welches von der Autorin selbst in Art eines Lebenslaufes erstellt wurde.

 

 

Hilde Möller * 1936 , ist eine deutsche Schriftstellerin aus Mainz.

 

Jetzt erst recht

Der etwas andere Lebenslauf von

Hilde Möller

 

Bild

Schriftstellerin Hilde Möller  (Foto mit freundlicher Genehmigung von Hilde Möller)

Manchmal denke ich, dass ich dieses „Jetzt erst recht“ mit der Muttermilch eingesogen habe, da ich zuerst wenig Überlebenschancen hatte. Damals ist wohl mein Trotz und damit dieses „Jetzt erst Recht“erwacht. Die Kindheit? Normal zwischen Bomben, Nächten im Keller, französischer Besatzung und 14mal Ortswechsel.Kurz vor dem Abitur – schwere Herzerkrankung. Ein Jahr Krankenhaus. Meinung der Ärzte: keinen Beruf, nicht heiraten, keine Kinder! Aber ich wollte doch Deutsch studieren, wollte Schriftstellerin werden!!!! Aufgeben? Nein! Jetzt erst recht!

Also Ausbildung zur Sekretärin, Arbeit am Geographischen Institut der Universität Frankfurt. Sekretärin!!! Der letzte Beruf, den ich gewollt hätte.

Mit 21 Jahren, also 1957 erste Heirat. Mit einem gebrauchten Ford Taunus fuhren mein junger Mann und ich durch Österreich, das Nachkriegsjugoslawien,Griechenland und die Türkei nach Teheran und von dort nach Isfahan, um das größte Hotel am Platz zu leiten. Ein tolles Abenteuer! Von wegen nicht heiraten und nicht arbeiten! Jetzt erst recht! Rückkehr nach Deutschland, Scheidung. Ausbildung zur Hotelfachfrau in Bad Wiessee, wo ich meinen zweiten Mann kennen lernte. Ich begleitete ihn nach Brüssel, zwei Jahre nach Ankara und 28 Jahre lebten wir in Madrid. Nebenbei gebar ich sieben Kinder in achteinhalb Jahren. Ich sag’s ja: Jetzt erst recht!

Doch die Überforderung war zu groß – ich suchte die scheinbare Hilfe im Alkohol,aber ich nahm auch den Kampf auf, als ich merkte, der Alkohol oder ich. Seit 29 Jahren trinke ich keinen Tropfen Wieder hat das „Jetzt erst recht“ gesiegt.

Als die älteste Tochter aus dem Haus ging, überlegte ich, ob es sich lohnt, zu warten, bis alle Kinder das Haus verlassen. Und was dann? Also suchte ich mir Arbeit, lernte Zahnarzthelferin und arbeitete acht Jahre in einer Zahnklinik in Madrid.Dazwischen schrieb ich Kurzgeschichten, die keiner wollte, und doch waren sie mein Fluchtpunkt. Anfang der 90er Jahre wollte ich in meine Heimat – nicht nach Deutschland, sondern in meine deutsche Sprache zurück – also kehrten wir zurück nach Deutschland.

Und nun fing ich an, Bücher zu schreiben. I

– 2000, Den Himmel mit Händen fassen“ im Alkyon Verlag,

– 2002, Schatten umarmen“ im Kranichsteiner Literaturverlag

– 2004 „Und die Zeit stand still“ wiederum im Alkyon Verlag.

– Und 2010 die vierte Auflage meines 2008 erschienenen vierten Buches „leben“.

 

Dazwischen zahlreiche Operationen, unter anderem Darmkrebs.Aufgeben? Nein!

Wie gesagt: Jetzt erst recht!

Und dann endete alles so schrecklich abrupt.

Wir gingen an einem Sommersamstagmorgen spazieren, als mein Mann tot neben mir zusammenbrach.

Aufgeben? Warum eigentlich nicht? Was sollte schon noch kommen?

Das „Jetzt erst recht“ wurde nur noch mühsam aufrecht erhalten.

Und es sollte noch immer nicht alles sein. Mein jüngster Sohn wurde ermordet. . Ich dachte, nun gibt es nie mehr dieses „

                                                                    Jetzt erst recht“.

Aufgeben? Ja! Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr – es ist zu viel für ein Leben.

Ich gab nicht auf, ich verkaufte kurz entschlossen das Haus, zog nach Mainz in eine Seniorenresidenz, die „Mundus“ heißt. Ich kehrte zurück in die „Welt“. Hier und in anderen Kulturkreisen und Seniorenkulturkreisen sowie in der VHS halte ich Musikvorträge und außerdem mache ich, wann immer sich eine Gelegenheit ergibt, Lesereisen durch ganz Deutschland. Und immer noch denke ich, es gibt immer einen Weg, man muss ihn nur suchen. Leicht ist das gewiss nicht

 

Wir danken Hilde Möller für diese offene Einsicht in ihr Leben und hoffen sie bald einmal in Köln zu einer Lesung begrüßen zu können!

 

 

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